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Kurze Jugend beim Neandertaler
Neandertaler hatten eine kürzere Kindheit als der zur gleichen Zeit lebende Nachwuchs von Homo sapiens. Einem internationalen Forscherkonsortium gelang es, mit Hilfe energiereicher Synchrotronstrahlen die fossilen Zähne zu durchleuchten (Smith et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, PNAS 2010, DOI: 10.1073/pnas.1010906107). Bei diesem Verfahren kann man in die Fossilien hineinsehen, ohne sie zu beschädigen. Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, dem ESRF (European Synchrotron Radiation Facility) in Grenoble und der Harvard Universität verglichen dabei die Zähne von verschiedenen Neandertalern mit den Zähnen von Homo sapiens-Fossilien und den Zähnen heutiger Menschen. Die Lebensgeschichte eines Individuums ist stark mit der Entwicklung der Zähne verknüpft. Jeder einzelne Tag im Wachstum eines Zahns wird ähnlich wie die Jahresringe von Bäumen aufgezeichnet. Unsere ersten Backenzähne enthalten sogar eine winzige „Geburtsurkunde“. Wenn Forscher diese Geburtslinie finden, können sie berechnen, wie alt beispielsweise ein Kind zum Zeitpunkt seines Todes war. Die Untersuchung schloss einige der berühmtesten Neandertaler-Kinder in die Untersuchungen mit ein, darunter das allererste Hominiden-Fossil, das gefunden wurde. Bislang nahm man an, dass dieses Neandertalerkind, das im Winter 1829/30 in Belgien entdeckt wurde, vier bis fünf Jahre alt war, als es starb. Mit Hilfe der Synchrotron-Strahlen und modernster Computersoftware gelang es, das tatsächliche Alter des Kindes zum Todeszeitpunkt auf nur drei Jahre festzulegen. Das Ergebnis der Zahnanalysen ergab, dass die Zähne bei Neandertalern schneller wuchsen als beim Homo sapiens, und dies nicht nur im Vergleich zum heute lebenden Menschen.

 

Fossilien 6/2011 wird zum 15.11.2011 ausgeliefert
Schwerpunkte:
  • Trias-Ammoniten aus den Hallstätter Kalken
  • Klimawandel und Umwelt in der Urzeit
  • Sammeln im Südharz
  • Jura-Fossilien in der Provence
  • Ursaurier von der Nahe
Zwei Exemplare von Lacunosella cf. trilobata (Zieten).
Gero Moosleitner:
Sammeln in der Provence: Jura-Fossilien vom Col de Ferrier
Direkt nördlich der Passhöhe des Col de Ferrier in der Provence zieht sich eine Gesteinsbank mit zahlreichen Brachiopoden durch die hier fast senkrechte Felswand der Straßenböschung. Sie stammt mit großer Sicherheit aus dem Grenzbereich Tithonium/ Berriasium. Die fossilführende Fundschicht gehört zu den mächtigen, harten, hellen, gebankten Kalken, die in der südlichen Provence von der Verdonschlucht bis hierher und noch weiter reichen. Auch die benachbarten Kalkbänke darunter enthalten Fossilien, vor allem Crinoidenreste, aber auch Schnecken, Muscheln, Belemniten, Seeigelreste und sogar Ammoniten. Da es aus diesem Zeitalter kaum Aufschlüsse mit brauchbaren Fossilien gibt, ist die Entdeckung dieser Fundschichten doch bemerkenswert.


Achat aus dem Ilfelder Becken.
Koloniale Riffkoralle Latiphyllia suevica (Quenstedt), Breite 9 cm.
Hartmut Huhle:
Permische Kieselhölzer im Südharz
Im Jahr 2003 wurde schon einmal über Fossilfunde aus dem Ilfelder Rotliegend-Becken berichtet. Damals ging es um Pflanzen- und Tierreste aus der Steinkohle des Ilfelder Tals, die auf der Halde des Besucherbergwerks Rabensteiner Stollen am Harzquerbahnhof Ilfeld-Netzkater geborgen worden waren. Dieser Beitrag widmet sich den südlichen Randbereichen des Ilfelder Beckens. Dort lassen sich mit etwas Ausdauer und Glück verkieselte Hölzer aus der Rotliegend-Zeit finden. Zur guten Vorbereitung einer Sammelexkursion hierhin  gehört immer erst ein Blick auf die entsprechende geologische Karte. Hier sind auf Blatt Nordhausen-Nord (Schriel & von Gaertner 1930) die so genannten Harzschotter markiert. Hierbei handelt es sich um eiszeitliche (mittelpleistozäne Flussablagerungen, in die sich später die Flüsse weiter eingeschnitten haben. Besonders großflächig verbreitet finden wir diese Bereiche im Südharzvorland zwischen den Ortschaften Appenrode, Niedersachswerfen und Harzungen. In diesen Schottern hat sich so allerlei Interessantes aus den umliegenden Abtragungsgebieten angesammelt. Zum Suchen eignen sich, wie auf jeder anderen Ackerfundstelle auch, vor allem die vegetationsarmen Jahreszeiten Herbst, Winter und der frühe Lenz.


Eupinacoceras rex (Mojsisovics) mit Loebenschliff. Karnium vom Feuerkogel.
Oskar Irnstorfer:
Trias-Ammoniten aus den Hallstätter Kalken, Teil 10
Die Bezeichnung „Metternichi“ ist ein Synonym für die wohl außergewöhnlichsten Ammonitengestalten, die im triaszeitlichen Tethys-Meer geschwommen sind und die uns bis heute in den Kalken der Alpinen Trias überliefert wurden. Es ist aber nicht nur das Pinacoceras metternichi, das durch seine schlanke Form mit messerscharfer Außenkante auffällt. Es gibt Vertreter anderer Gattungen und Familien, die es in der flachgedrückten Gestalt noch zu übertreffen versuchen. Der Autor beschäftigte sich schon lange damit, wie wohl die Tiere ausgesehen haben mögen, die solche Gehäuse bewohnt haben, und welcher Lebensraum solche Formen erforderte. Die Mär vom pfeilschnellen Schwimmer wurde längst widerlegt. Der der Beitrag widmet sich insbesondere der Differenzierung der Pinacoceratiden.


weitere Inhalte:
  • Helmut Knoll
    "Coal balls" aus dem Aachener Steinkohlenrevier
  • Bernd R. Schöne
    Paläontologie aktuell: Neue Einblicke in Klima und Umwelt der Vergangenheit
  • Wouter Südkamp
    Permische Ursaurier von der Nahe

Buchbesprechungen

Geyer, O. F. &. M. P. Gwinner (2011):
Geologie von Baden-Württemberg
5. völlig neu bearb. Auflage von Geyer, M., E. Nitsch u. T. Simon (Hrsg.). X + 627 S., 185 Abb., 4 Tab., geb., ISBN 978-3-510-65267-9, € 68,-. Schweizerbart-Verlag, Stuttgart.

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14 Seiten mit 12 Motiven, Format 42 x 60 cm, Spiralbindung, € 24,95 zuzügl. Porto. Stiftung Neanderthal-Museum, Mettmann. Bezug beim Neanderthal-Museum, shop@neanderthal.de, Tel. 02104/97948.



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Tipp der Woche

 

 G. Kühl, C. Bartels, D. Briggs & J. Rust 
Fossilien im Hunsrückschiefer:
Einzigartige Funde aus einer einzigartigen Region

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